Zahlreiche Besucher:innen verbrachten einen sonnigen 13. Juni auf dem Heddernheimer "Kulturfest zur Stärkung der Demokratie" - bei gutem Essen und einem vielfältigen Musikprogramm. Zwischendurch kamen Vertreter:innen der Politik zu Wort, darunter auch unsere Ortsbeirätin Maike Atanassov. Wir dokumentieren hier ihre Rede.
Rede von Ortsbeirätin Maike Atanassov beim “Kulturfest zur Stärkung der Demokratie” am 13.6.2026
"Wir sind heute hier auf diesem wunderbaren Fest, um die verschiedenen Kulturen in unserem Stadtteil zusammenzubringen und zu feiern.
Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenleben, ist Toleranz ein wichtiger Begriff. Tolerant sein bedeutet für mich gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz – zu verstehen, dass mein Gegenüber vielleicht anders lebt, anders spricht, anders glaubt oder andere Erfahrungen gemacht hat – und doch die gleiche Würde, die gleichen Rechte und den gleichen Platz in unserer Gesellschaft hat. Zu akzeptieren, dass mein Gegenüber vielleicht anders aufgewachsen ist, mit anderen Traditionen und Bräuchen und vielleicht sogar anderen Regeln.
Aber genau diese Unterschiede müssen uns nicht trennen. Im Gegenteil: Sie können uns bereichern. Sie können uns helfen, Neues voneinander zu lernen, unsere eigene Perspektive zu erweitern und einander als Menschen besser kennenzulernen.
Denn Gleichheit bedeutet nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Gleichheit bedeutet, dass wir alle den gleichen Wert, die gleichen Rechte und den gleichen Anspruch auf Respekt haben. Gerade deshalb dürfen Unterschiede sichtbar sein und gefeiert werden.
Uns füreinander zu interessieren und einen wertschätzenden, respektvollen Umgang miteinander zu pflegen, ist deshalb nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern auch eine Grundlage demokratischen Zusammenlebens.
Dieses Fest kommt jedes Jahr aufs Neue zu Stande, weil es Menschen wie Sybille und Hamidul (und die vielen anderen ehrenamtlichen Helfer*innen) gibt, die sich ehrenamtlich engagieren und ihre Energie in die Planung und Durchführung eines so wichtigen Ereignisses geben.
Insbesondere in Zeiten, in denen es nicht selbstverständlich ist, kostenlos einen Ort besuchen zu können, an dem es Musik, Getränke, Speisen und Unterhaltung gibt, ist dieses Kulturfest zur Stärkung der Demokratie umso wichtiger!
Denn hier wird sichtbar, was Demokratie im Alltag bedeuten kann: zusammenkommen, einander zuhören, miteinander feiern und niemanden ausschließen.
In Zeiten, in denen der Sozialabbau voll im Gange ist, in denen insbesondere im Bereich Soziales, Gesundheit und Kultur extrem eingespart wird; die Bereiche, die die Grundvoraussetzungen für ein lebenswertes Leben sind, die uns die Sorgen des Alltags für einen Moment vergessen lassen oder uns die Sicherheit geben, dass wir Hilfe bekommen – ob aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder beim Ausfüllen von komplizierten Dokumenten.
Leider ist das nicht mehr selbstverständlich, da unsere schwarz-rote Bundesregierung in die Rüstungsindustrie investiert, Reiche weiterhin nicht höher besteuert, keine einheitliche Mietpreisbremse einführt – und die Folge ist, dass viele Bürger:innen verarmen, unsicherer, ängstlicher und unzufriedener werden.
Die Frage, ob das Geld bis zum Ende eines jeden Monats ausreicht für Miete, Lebensmittel, Sprit oder Fahrkarten, Kleidung, Schulmaterialien treibt viele von uns um.
Es werden hart erkämpfte Arbeitsrechte angegriffen, Menschen mit Behinderung und Jugendliche erfahren immer weniger Unterstützung, die Rente ist nicht mehr eine Sicherheit am Ende eines harten Arbeitslebens, sondern ein kleines Taschengeld.
Aber: Bei all den Ohnmachtsgefühlen, die wir angesichts der vielen Krisen immer häufiger spüren, sollten wir nicht vergessen, wie gut es sich anfühlt, Zusammenhalt zu spüren, mit Menschen in Kontakt zu treten, sich freundlich zu begegnen, sich gegenseitig zu helfen.
Eine vielfältige und facettenreiche Gesellschaft ist viel schwieriger anzugreifen, denn Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Stärke – besonders dann, wenn Menschen gleiche Rechte haben, sich gegenseitig respektieren und füreinander einstehen.
Wir sind heute hier zusammen und zeigen: Wir lassen uns nicht spalten!
Nicht durch Hass, nicht durch Rassismus, nicht durch Sexismus und nicht durch Angst.
Demokratie wird nicht nur in Parlamenten verteidigt. Sie wird auch hier verteidigt: in unseren Stadtteilen, in unseren Nachbarschaften, in Gesprächen, in gegenseitiger Hilfe und darin, dass wir einander nicht alleine lassen!
Also: Lassen Sie uns zusammen feiern und voneinander lernen!"


